Ernährung Gewichtsveränderungen und Mangelernährung

Gewichtsveränderungen und Mangelernährung

Eine Krebserkrankung muss nicht zwangsläufig zu Gewichtsverlust und Mangelernährung führen und nicht jeder ungewollte Gewichtsverlust ist ein Anzeichen für ein krebsbedingtes Krankheitsgeschehen. Probleme mit dem Essen, ungewollter Gewichtsverlust und Veränderungen hinsichtlich Geschmack und Appetit sind aber durchaus häufige Begleiterscheinungen von Krebserkrankungen beziehungsweise deren Therapie. Ein ungewollter Gewichtsverlust kann dabei nicht selten das erste Alarmzeichen für ein Krankheitsgeschehen sein.

Wichtig ist, dass Sie bereits bei den ersten Anzeichen dafür, dass in Bezug auf Essen und Gewicht Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"etwas nicht stimmen könnte" mit Ihrem Arzt und/oder Ihrem Ernährungstherapeuten reden. Diese Seite soll Ihnen helfen, Sie für die Anzeichen, aber auch für die Folgen einer Mangelernährung zu sensibilisieren und Ihnen Hilfestellungen für den Alltag zu geben.

So können Sie mit dafür sorgen, dass Ernährungsmaßnahmen von Anfang an in Ihr Therapiekonzept eingeplant werden. Hier geht es nicht um spezielle Diäten für Krebspatienten und auch nicht um Verbote. Ziel der Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnährungstherapie ist es, dafür zu sorgen, dass Sie mit ausreichend Energie und allen nötigen Nährstoffen versorgt sind. Ihre persönlichen Essgewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen stehen dabei im Mittelpunkt.

Lesen Sie, was Mangelernährung bedeutet und wo Sie Hilfe bekommen – dann können Sie und Ihre Familie aktiv werden!

Die Diagnose Mangelernährung kann bei Krebspatienten in verschiedenen Stadien der Krankheit gestellt werden. So kann es bereits vor dem Erkennen der Krebserkrankung zu einem Gewichtsverlust kommen oder auch erst später, z.B. als Folge der Krebstherapie. Die unterschiedlichen Ursachen, die zu einer Mangelernährung führen können, bedürfen daher einer genauen Anamnese und einer daraus resultierenden individuellen Betreuung.

Mögliche Ursachen einer Mangelernährung

Wichtige Ursachen sind eine verminderte Nahrungszufuhr, eine gestörte Nahrungsverwertung und/oder ein erhöhter Nährstoffbedarf aus individuell unterschiedlichen Gründen, wie beispielsweise:

  • Appetitverlust
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Funktionsstörungen (z.B. Magen, Bauchspeicheldrüse, Leber, Darm), etwa nach Operationen an Verdauungsorganen
  • Entzündungszustände
  • Chronische Schmerzen
  • Nebenwirkungen von Chemotherapie und/oder Strahlentherapie (z.B. Geschmacks-, Geruchsveränderungen, Kau-, Schluckstörungen, anhaltende oder häufige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Lebensmittelunverträglichkeiten)
  • Schlechter Zahnstatus und eventuell defekte Zahnprothese
  • Psychosoziale Probleme (z.B. Einsamkeit, Depression)
  • Schwierigkeiten beim Einkauf und der Zubereitung von Lebensmitteln
  • Finanzielle Probleme

Mögliche Folgen einer Mangelernährung

Neben dem fortschreitenden Gewichtsverlust kommt es bei einer Mangelernährung einerseits zu einem erhöhten Verbrauch an Energiereserven, z.B. von Körperfett, und andererseits geht Muskel- und Organmasse verloren. Zudem können spezifische Nährstoffmängel auftreten. All dies kann zu ganz verschiedenen körperlicher Symptome führen (s. nachfolgende Tabelle) und sich ebenso auch auf die Psyche auswirken.

Organ

Auswirkungen

Muskulatur

Weniger Muskulatur und Kraft, Schwäche, geringere Leistungsfähigkeit, Immobilität, höheres Sturzrisiko

Haut

 Zunehmend dünn, blass und unelastisch

Skelett

Verminderte Knochendichte und dadurch vermehrte Knochenbrüche

Immunsystem

Schwächung des Immunsystems, erhöhte Infektanfälligkeit, langsamere Heilung und mehr Komplikationen

Gastrointestinaltrakt

Störungen der Magen-Darm-Funktion, Verstopfung, Durchfall, Unverträglichkeiten

Was kann darauf hindeuten, dass ich mangelernährt bin?

Mangelernährung bedeutet, dass der Körper weniger Energie und/oder Nährstoffe aufnimmt als er benötigt.

Mit dem folgenden Selbstcheck können Sie einschätzen, ob bei Ihnen eine Mangelernährung wahrscheinlich ist.

Sollten Sie mehr als eine Frage mit Ja beantworten, sind Sie möglicherweise nicht mehr ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt. In diesem Fall ist es ratsam, dass Sie sich bald an Ihren Arzt, einen Ernährungsmediziner oder Ernährungsfachkraft wenden und über die Möglichkeit einer Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie sprechen.

Denn: Je früher dem Gewichtsverlust und einem Nährstoffmangel entgegengewirkt wird, desto besser!

Mangelernährung bedeutet, dass der Körper weniger Energie und/oder Nährstoffe aufnimmt als er benötigt.

Mit dem folgenden Selbstcheck können Sie einschätzen, ob bei Ihnen eine Mangelernährung wahrscheinlich ist.

Sollten Sie mehr als eine Frage mit Ja beantworten, sind Sie möglicherweise nicht mehr ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt. In diesem Fall ist es ratsam, dass Sie sich bald an Ihren Arzt, einen Ernährungsmediziner oder Ernährungsfachkraft wenden und über die Möglichkeit einer Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnährungsberatung oder Opens internal link in current windowErnährungstherapie sprechen.

Denn: Je früher dem Gewichtsverlust und einem Nährstoffmangel entgegengewirkt wird, desto besser!

  • Ich habe in den letzten drei Monaten ungewollt mindestens 5 % meines Gewichtes verloren.


Beispiele

Ausgangsgewicht in kg

Gewichtsverlust in kg

55

2,37

60

3

70

3,5

75

3,75

80

4

85

4,25

  • Mein Body Mass Index (BMI) ist kleiner als 20 kg/m2
  • Meine Kleidung sitzt plötzlich lockerer oder ist mir zu groß geworden
  • Ich muss in letzter Zeit den Hosengürtel enger schnallen
  • Ich habe weniger Appetit
  • Speisen und Getränke schmecken oder riechen anders als gewohnt
  • Ich habe plötzlich eine Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel oder Essen allgemein
  • Ich habe in den letzten Wochen weniger gegessen als üblich
  • Ich habe Durchfall und/oder muss häufig Erbrechen
  • Ich konnte in den letzten sieben Tagen nur sehr wenig oder nichts essen
  • Meine Muskelkraft hat sich verringert. Ich bin schnell erschöpft
  • Ich bin zunehmend müde, schlapp oder antriebslos

Was kann ich selber tun, um einer Mangelernährung frühzeitig zu begegnen?

Achten Sie auf ihr Körpergewicht:

Beobachten und notieren Sie regelmäßig Ihr Gewicht! Vor allem vor, während und zwischen den Behandlungen.

Zur Orientierung genügt es, sich einmal pro Woche zu wiegen. Bei stärker ausgeprägten Beschwerden kann aber auch tägliches Wiegen angeraten sein.

Notieren Sie, wenn möglich, auch Ihr Gewicht zum Zeitpunkt der Diagnose.

Sie sollten versuchen, Ihr Gewicht stabil zu halten und sich ausgewogen ernähren.

Nutzen Sie frühzeitig die Möglichkeit einer Ernährungsberatung.

Haben Sie bereits ungewollt Gewicht verloren, dann sind folgende Maßnahmen hilfreich:

Essen Sie in Zeiten, in denen es Ihnen gut geht und Sie Appetit haben, reichlich.

Essen Sie mehrmals täglich (so oft Sie wollen), wenn Sie nur kleine Portionen vertragen.

Sorgen Sie dafür, dass Sie immer energiereiche Snacks zur Verfügung haben. Zum Beispiel eine kleine Dose mit Nüssen in der Tasche oder Sahnejoghurt/Rahmquark im Kühlschrank.

Verwenden Sie auch energiereiche Getränke (z.B. Säfte, Milch, Malzbier).

Machen Sie zur Appetitanregung einen kleinen Spaziergang vor den Mahlzeiten.

Ausführliche Informationen dazu finden Sie unter Ernährungstherapie.

Energiereiche (hochkalorische) und auch eiweißreiche Rezepte hat das Tumorzentrum München sowohl in Form eines Kochbuchs, als auch im Blog "Wissen gegen Krebs" und in der Koch-App "HealthFood" für Sie zusammengestellt. 

Ernährungsberater und Empfehlungen für Krebspatienten gibt es viele – aber wo finde ich wirklich qualifizierte Hilfe?

„Ernährungsberater“ ist kein geschützter Begriff. Deshalb haben wir für Sie in einem eigenen Kapitel zusammengestellt wo und wie Sie wirklich professionelle Unterstützung bekommen.

Was muss ich dazu wissen?

Kann mein Arzt Trinknahrung rezeptieren?

Sogenannte „Standardtrinknahrung“ (hochkalorische, eiweißreiche Nahrung) ist erstattungsfähig. Wichtig ist, dass Ihr Arzt eine „fehlende oder eingeschränkte Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung“ dokumentiert und auf dem Rezept vermerkt. Ob Sie eine Spezialnahrung brauchen bzw. ob diese von der Kasse erstattet wird, klären Sie am besten mit dem behandelnden Arzt oder Ihrer betreuenden Ernährungsfachkraft.


Was kostet eine Ernährungsberatung?

Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen häufig Ernährungsberatung, wenn Sie vom Arzt verordnet ist. Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse ab, wie viel diese Ihnen erstattet.

Ernährungstherapie bei Mangelernährung

Wenn Sie weniger Energie und/oder Nährstoffe aufnehmen können, als Sie benötigen, entwickelt sich eine Mangelernährung. Ein Hinweis darauf ist häufig ein ungewollter und unkontrollierter Abbau von Körpersubstanz. Kriterien dafür sind z.B. ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 5 % des Körpergewichts in drei Monaten (bzw. von mehr als 10 % in den vergangenen 6 Monaten) 

Liegt bei Ihnen eine Mangelernährung vor, sollten Sie sich so früh wie möglich an Ihren Arzt oder eine erfahrene und qualifizierte Ernährungsfachkraft wenden.

Denn: Ernährungsberatung ist umso hilfreicher und effektiver, je früher Sie damit beginnen.

Die Ernährungstherapie

In der Ernährungstherapie entwickelt die Ernährungsfachkraft gemeinsam mit Ihnen ein Konzept, wie Sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken können. Sie kennt viele Kniffe und Möglichkeiten, und kann Sie bei der Gestaltung Ihrer Mahlzeiten bzw. bei Problemen mit dem Essen (zum Beispiel Lebensmittelunverträglichkeiten wie Lactoseintoleranz, Fettverwertungsstörungen) unterstützen.

Das Vorgehen dabei lässt sich in mehrere Stufen einteilen, ja nachdem was und wie viel Sie essen mögen oder können. Ziel ist auf jeden Fall, Sie und Ihren Körper mit ausreichend Energie und allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Die verschiedene Stufen / Möglichkeiten der Ernährungstherapie wollen wir Ihnen in diesem Abschnitt näher vorstellen. Sie reichen von der bewussten Auswahl normaler Lebensmittel über den Einsatz von Trinknahrung bis hin zu einer Ernährung über eine Sonde oder die Blutbahn. Selbstverständlich ist dies kein starres System. Im Vordergrund steht immer was für Sie stimmig ist und was Ihnen gut tut. Ebenso können und sollen nach Möglichkeit die einzelnen Stufen kombiniert werden bzw. fließend ineinander übergreifen.

Das Maß für den Erfolg der Ernährungstherapie ist Ihr Wohlbefinden und der Gewichtsverlauf. Üblicherweise sollte das Gewicht einmal pro Woche ermittelt werden. 

Die Stufen im Einzelnen

Das Vorgehen bei der Ernährungsberatung lässt sich in mehrere Stufen einteilen, je nachdem was und wie viel Sie essen mögen oder können. Ziel ist auf jeden Fall, Sie und Ihren Körper mit ausrechend Energie und allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. 

Auf Grundlage Ihrer individuellen Essvorlieben, wird ein Speiseplan entwickelt, der Lebensmittel enthält, die viel Energie (Kalorien) enthalten. Am leichtesten geht das mit fettreichen Lebensmitteln.

Zum Beispiel: Milchprodukte in Vollfett- (3,5%) oder Sahnestufe (10%), Käse mit min. 45 % Fett i. Tr., Milchshakes, Crèmeeis, sahnehaltige Süßspeisen, Fettfische wie Hering, Lachs, Makrele, Streichwurst, Aufschnitt, Schmalz, Nüsse, Samen, Kerne, Mandelmus, Erdnusscreme, Butter, Margarine, Öl, Sahne, Crème Fraîche, Mayonnaise, Honig, Zucker, Kuchen, Gebäck (Blätter-, Rühr-, Mürbeteig), Kekse, Schokolade.

Haben Sie wenig Appetit oder sind schnell satt? Viele kleine über den Tag verteilte energiereiche Snacks sind oft hilfreich.

Dazu zählen: Käsewürfel, Studentenfutter, Nüsse, Sportlerenergieriegel, Trockenfrüchte, Käsegebäck, - cracker, Butterkekse, Muffins, Milchshakes - angereichert mit z.B. Mandelmus, Erdnussbutter, Sahne, Eiscreme, Schmelzflocken.

Auch die für Sie stimmige Mahlzeitengröße, -zusammenstellung und -häufigkeit wird in der Ernährungsberatung besprochen. 

Ist die Energie und Nährstoffversorgung mit üblichen Lebensmitteln nicht mehr ausreichend, gibt es Möglichkeiten diese anzureichern. Dabei können sowohl feste Speisen als auch Getränke „aufgepeppt“ werden.

Dafür stehen von verschiedenen Herstellern Kohlenhydrat- und Eiweißpulver, Fettemulsionen oder Pulver aus Nährstoffmischungen zur Verfügung. Lassen Sie sich von einer Ernährungsfachkraft oder Ihrem Arzt beraten, was für Sie das Passende ist. 

Reicht eine Anpassung des Speiseplanes und eine Anreicherung der Speisen nicht aus, gibt es die Möglichkeit, vollbilanzierte Trinknahrung (oft „Astronautenkost“ genannt) zu ergänzen.

Diese gibt es von verschieden Herstellern in unterschiedlichen Zusammensetzungen, Geschmacksrichtungen und Darreichungsformen. Meist werden sie trinkfertig in kleinen Fläschchen von 200 ml angeboten. Es gibt aber auch Pulver zum Anrühren oder Crèmes zum Löffeln. Übliche Geschmacksrichtungen sind Vanille, Schokolade, Erdbeere aber auch Cappuccino oder Banane.

Trinknahrungen können pur oder verdünnt getrunken oder als Zutat verwendet werden. Möglichkeiten zur Verwendung als Zutat sind:

  • Mischen mit Milch, Buttermilch, Wasser, Fruchtsaft
  • Unterrühren in Joghurt, Quark
  • Herstellen einer Kaltschale, Grütze, Götterspeise, Fruchtsauce, Fruchteis, Eiswürfeln
  • Verwendung als Flüssigkeit zum Backen (Rührkuchen, Muffins, Tortenguss…)


Tipp

Trinknahrungen schmecken leicht gekühlt meist am besten. Füllen Sie sich die Trinknahrung in schöne Becher oder Gläser, wenn Sie mehr das Gefühl haben möchten, ein herkömmliches Getränk zu sich zu nehmen.

Was die Zusammensetzung betrifft, so ist in der Regel ist eine sogenannte „Standardtrinknahrung“ (Kalorien- und/oder Eiweißreich) passend. Spezielle Organ- oder Stoffwechselsituationen können jedoch die Verwendung einer Spezialtrinknahrung erforderlich machen, z.B. Niereninsuffizienz oder eine Einschränkung der Verdauungsleistung durch Funktionsbeeinträchtigungen der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms.

Lassen Sie sich von einer Opens internal link in current windowErnährungsfachkraft oder Ihrem Arzt beraten, was für Sie das Passende ist.

Bei Tumoren bzw. Engstellen im oberen Verdauungstrakt oder Beeinträchtigungen, die das Schlucken von Nahrung stark einschränken oder unmöglich machen, wird Ihr Arzt mit Ihnen über die Anlage einer Sonde sprechen. Das ist ein dünner Schlauch, der direkt in Ihren Magen oder Dünndarm gelegt wird und über einen äußeren „Anschluss“ verfügt. Über diesen Anschluss wird Sondennahrung (gleicht in ihrer Konsistenz und Zusammensetzung der Trinknahrung) und ggf. zusätzliche Flüssigkeit (Wasser, Tee) zugeführt.

Sondennahrung wird in der Regel in Beuteln oder Flaschen zu 500 ml verabreicht. Die Menge bei einer ausschließlichen Ernährung wird individuell in Abhängigkeit von Ihrem Gewicht und der Zusammensetzung der Nahrung festgelegt.

Falls Sie noch Nahrung / Flüssigkeiten oral zu sich nehmen können und dürfen, kann eine „ergänzende“ Ernährung über die Sonde ausreichend sein. Das bedeutet, dass nur eine gewisse Anzahl der Kalorien über die Sondennahrung zugeführt wird. Um zu berechnen, in welcher Höhe dies nötig ist, sollte eine Ernährungsfachkraft mit Ihnen besprechen, in welchem Ausmaß Sie tatsächlich in der Lage sind, über herkömmliche Lebensmittel und ggf. Trinknahrung Energie zu sich zu nehmen.

Sondennahrung wird analog zur Trinknahrung in „Standard-“ und „Spezialnahrung“ unterteilt (vgl. Stufe 3).

Manche Situationen machen die Aufnahme von Nahrung über den Verdauungstrakt schwierig oder unmöglich. Operative Eingriffe, Engstellen im Verdauungstrakt, massive Einschränkungen der Verdauungsleistung oder anhaltender Durchfall und/oder Erbrechen tragen unter anderem dazu bei, dass Sie nicht mehr genügend aufnehmen können oder dürfen. In diesen Fällen wird der Arzt einen „Port“ (dauerhafter Zugang direkt in den Blutkreislauf, der unter die Haut eingesetzt wird) legen, über den Sie dann mit Flüssigkeit und Energie versorgt werden können. Häufig ist aufgrund der Chemotherapie sogar bereits ein Port vorhanden, der für die Ernährungsinfusionen genutzt werden kann. Die Infusionen (eine milchige Flüssigkeit) enthalten alle benötigten Haupt- und Mikronährstoffe, die direkt in Ihre Blutbahn gelangen und so den Magen-Darmtrakt umgehen.

Die Infusionen gibt es von diversen Herstellern als fertig konfektionierte Mischungen („All in one Systeme“, „3 Kammer Beutel“) oder werden individuell für Sie unter streng sterilen Bedingungen hergestellt („Compounding“). Beim Compounding können spezielle Anforderungen an die Zusammensetzung bzw. Flüssigkeitsvorgaben besser berücksichtigt werden.

Falls Sie können und dürfen, ist die zusätzliche Aufnahme von herkömmlichen Lebensmitteln oder Trinknahrung möglich.

Sowohl eine enterale als auch parenterale Ernährung kann (ergänzend oder ausschließlich) zu Hause durchgeführt werden. Dies geschieht in der Regel über Nacht, so dass Sie tagsüber weniger eingeschränkt und mobiler sind. Es gibt aber auch Rucksacksysteme, die bei einer Ernährung über Tag für mehr Mobilität sorgen.

Es gibt spezielle Dienstleister (Home Care-Anbieter) die Sie in so einem Fall beraten, mit den benötigten Materialien beliefern und sich um die Formalitäten bei Ihrem Arzt und Ihrer Kasse kümmern.

Auch wenn die enterale und parenterale Ernährung eine ungewohnte bzw. „unnatürliche“ Art der Ernährung darstellen mag, so kann sie in vielen Situationen die einzige Möglichkeit sein, die Ihnen ausreichend Kraft und Energie spendet und Sie vor einem (weiteren) Gewichtsverlust bewahrt. Häufig ist sie auch nur vorübergehend nötig, z.B. während der Chemotherapie oder nach einer Operation, bis Sie wieder alleine ausreichend essen können.

Wenn Sie es alleine nicht schaffen können, setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt / Ihrer Ernährungsfachkraft über die ernährungstherapeutischen Möglichkeiten, die für Sie in Frage kommen. Sprechen Sie dabei in Ruhe über etwaige Vorbehalte aber auch Vorteile dieser speziellen Ernährungsformen und nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen die Ernährungstherapeutika bieten. 

Um herauszufinden ob ein Risiko besteht, dass Sie eine Mangelernährung entwickeln bzw. um festzustellen ob eine Mangelernährung vorliegt, sollte Ihr Arzt bzw. Ihre Ernährungsfachkraft vom ersten Treffen an regelmäßig einen sogenannten Screening-Fragebogen anwenden. Für Erwachsene wird sowohl von der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN), als auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) primär für den stationären Bereich das sogenannte Nutritional Risk Screening (NRS 2002) und für den ambulanten Bereich das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) empfohlen.

Weiterführende Links

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